Methode

Meine Methode bei der philosophischen Arbeit ist radikal: Ich versuche, Thesen zu verfechten, die fast alle Kolleginnen und Kollegen für falsch halten. Erstaunlicherweise gibt es eine Vielzahl rationaler, ja (wie ich finde) durchschlagender Argumente, die sich bei den Sachkundigen bislang nicht durchgesetzt haben. Das betrifft nicht nur Goethes Angriff auf Newton, sondern viele andere Fälle, zum Beispiel:

  •  Zum ersten Matrix-Film und verwandten Gedankenspielen: Können wir wissen, ob wir in an eine perfekte Computer-Simulation angeschlossen sind? Könnte es sein, dass all unsere Wahrnehmungen auf täuschend echter Simulation beruhen, einschließlich der Wahrnehmung unserer eigenen Körper? Könnte es sein, dass wir ohne Hände und Füße in einem Tank mit Nährflüssigkeit schweben? Ja, könnte es sein, dass es seit dem Beginn meiner Existenz nichts anderes gibt als mein gefopptes Gehirn, den Tank mit Nährstoffen, den Simulations-Computer und dessen Stromquelle? – Nein. Es gibt einen wasserdichten philosophischen Beweis, der alle diese skeptischen Möglichkeiten widerlegt. Natürlich nicht durch Empirie (denn die könnte gefälscht sein), sondern: durch Nachdenken. [Weiterlesen]
  • Das Weiterleben nach dem Tod ist wissenschaftlich widerlegt? Wieso denn! Es gibt viele naturwissenschaftlich respektable Möglichkeiten dafür, wie es nach dem Tod weitergehen könnte. [Mehr darüber hier und hier].
  • Zum Klimaproblem: Bislang weigern sich unsere westlichen Regierungen, einen fairen Kompromiss zum Klimaproblem vorzuschlagen. Weil es für uns zu teuer wäre? Unsinn! Wenn wir mit der Gerechtigkeit unter Luftverschmutzern ernst machen wollten, könnten wir gleich loslegen: Jeder hat das Recht, gleich viel CO2 zu emittieren, wie jeder andere. Wer weniger emittiert, als ihm zusteht, sollte seine CO2-Rechte auf einer Auktion verkaufen, um sein klimagerechtes Verhalten zu versilbern; wer mehr emittiert, muss draufzahlen. So jedenfalls mein Vorschlag zur Rettung der Welt. [Mehr lesen Sie hier (kurz) und hier (länger) und hier (in wissenschaftlicher Ausführlichkeit)].
  • Zur Freiheit unserer Gehirne: Angeblich haben Neurowissenschaftler gezeigt, dass wir in unseren Entscheidungen unfrei sind. Gegen diese Diebe der Freiheit gibt es starke metaphysische Argumente. [Mehr lesen Sie hier].
  • Gegen die letzten Kriege des Westens: Der erste US-Krieg gegen den Irak des Saddam Hussein (1991) war moralisch falsch. Der Kosovo-Krieg (1999) war moralisch falsch. Der Krieg gegen die Taliban in Afghanistan (2001 – ?) war moralisch falsch. Die französische Intervention in Mali (2012) war moralisch falsch. Der geplante Krieg gegen den Islamischen Staat (2015 – ?) wird sich als moralischer Fehler herausstellen. Pazifistische Lektion: Der Wahnsinn hat Methode, auch alle anderen Kriege dürften moralisch falsch sein, zu denen man uns im Namen der Moral oder gar unserer Sicherheitsinteressen überreden will. Diese Form von Pazifismus lässt sich ohne gesinnungsethische Prinzipienreiterei begründen: durch realistischen Blick darauf, was wir in solchen Kriegssituationen wissen und was wir dort genau nicht wissen. [Mehr darüber hier und hier].
  • Viele Zeitgenossen entscheiden sich deswegen gegen den Glauben an Gott, weil sie sich vor Wunschdenken fürchten. Der berühmte deutsche Philosoph Ernst Tugendhat hat das sogar als Regel formuliert: Wenn sich die rationalen Argumente für oder gegen eine These genau die Waage halten, wenn man aber hofft, dass die fragliche These wahr sein möge – dann solle man sich deshalb gegen die These entscheiden. Meiner Ansicht nach müssen wir in unserem geistigen Lebens- und Meinungswandel nicht so pessimistisch vorgehen. [Mehr darüber hier].
  • Als einer der dümmsten Beweise aus der Philosophie-Geschichte gilt John Stuart Mills Beweis des Utilitarismus. (Das ist diejenige Moraltheorie, der zufolge wir stets das größte Glück der größten Zahl anstreben sollen). Mills Beweis ist besser, als man gemeinhin denkt. [Mehr darüber hier].
  • Wie recht viele Leute meinen, können wir in der Naturwissenschaft zu echtem Wissen vordringen, nicht aber in der Moral. Ihr Grund: Naturwissenschaftliche Sätze lassen sich empirisch prüfen, moralische Sätze dagegen nicht. Dieser Kontrast ist unhaltbar. Es gibt so etwas wie moralische Beobachtung; wir können bestimmte Formen moralischen Unrechts buchstäblich als Unrecht sehen. Wenn etwa Erwachsene eine Katze mit Benzin übergießen und anzünden, dann sehen wir nicht nur die brennende Katze in ihrem Todeskampf, sondern auch dass es sich um sichtliches Unrecht handelt. [Darüber habe ich ein ganzes Buch geschrieben, mehr darüber hier].