Termine & Ereignisse

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Wie funktioniert die theoretische Sprache der Naturwissenschaften? Gibt es apriorische Voraussetzungen physikalischer Erkenntnis? – Newton und Goethe

Vortrag im Rahmen der 29. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Wann: 09:45-10:55 Uhr, 18.6.2016
Wo: Leibniz-Saal, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Die Einladung finden Sie hier.

Das Programm finden Sie hier.

Goethe griff in seiner »Farbenlehre« (1810) die Theorie Newtons vom Licht und den Farben (1672) an – mit neuen Experimenten und mit einer wissenschaftsphilosophischen Kritik an Newtons Anspruch, seine Theorie aus Experimenten wasserdicht zu beweisen. Laut Goethe passt eine andere Theorie genauso gut zu allen optischen Experimenten wie Newtons, und es ist Zufall, dass sich Newtons Theorie durchgesetzt hat.
In den vergangenen Jahrhunderten hat fast kein Naturwissenschaftler die »Farbenlehre« physikalisch ernst genommen. Ich möchte zeigen, dass Goethe mit seiner Kritik an Newton richtig lag. Anders als viele meinen, lieferte Goethe rational saubere und exakte Wissenschaft. Seine Experimente lassen sich präzise replizieren, und einige seiner wichtigsten Gedanken haben auch heute noch Bestand. So entdeckte er eine tiefgreifende Symmetrie zwischen Helligkeit und Dunkelheit, die sich im Raum der Farben (und deren Komplementaritätsverhältnissen) fortsetzt.
Die Schwäche der »Farbenlehre« liegt eher dort, wo sie keiner vermutet: Goethe scheint einige Farben in den Experimenten anders wahrgenommen zu haben, als sie aussehen. War Goethe farbenblind?